Dieser Leserbrief wurde an das Hassfurt-Tagblatt gegeben mit der Bitte, diesen zu veröffentlichen:

Ein Dorf sagt ja!

Flüchtlinge aufnehmen?!

Diese Überschrift trug der Handzettel, der am Donnerstagabend in meinen Briefkasten eingeworfen wurde. Verteilt wurde dieser von der Pfarrgemeinde Prappach.

Ich war begeistert, endlich können wir auch in Prappach etwas für diese Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind, tun. Natürlich würden wir uns um die Flüchtlinge kümmern!

Ich hatte noch nicht den ganzen Zettel durchgelesen, als mein Mobil-Telefon auf der Fensterbank klingelte. Ich zog mir die Hausschuhe und eine Jacke an und rannte auf die Straße denn es war ein wichtigerer Anruf eines Bekannten. Nachdem das Gespräch, bei dem wir beide, auch nach mehrmaligem Standortwechsel von vor dem Haus nach hinten bis hin zur anderen Straßenseite, nur die Hälfte Verstanden hatten, beendet war nahm ich wieder den Zettel in die Hand und stellte mir die Frage: Flüchtlinge aufnehmen in Prappach, das geht doch gar nicht? Wie sollen diese Menschen, die aus Ihrer Heimat flüchten mussten, deren Familien-Mitglieder teilweise noch in den Krisengebieten leben und jetzt über ganz Deutschland verteilt sind denn mit Ihren Familien und Freunden kommunizieren, wenn Sie nach Prappach gekommen sind? Ich habe mir so gedacht: Ist das ein Zeichen von Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit, diese Menschen, denen nichts wichtiger ist als diese Kommunikation, diese einfach abzuschneiden indem man Sie in einen der sogenannten „weißesten“ Flecken im Landkreis holt?

Wie werden diese Leute unsere Einladung nach Prappach auffassen, Sie denken, Deutschland ist ein modernes Land, da werden Milliarden-Beträge der Regierung in den Ausbau der Netze gesteckt, da möchte ich bleiben und vielleicht sogar eine neue Zukunft für meine Familie in dieser Gemeinschaft aufbauen? Bald aber werden Sie wohl denken, warum hat man mich und meine Familie in so ein Dorf gesteckt? Es ist ganz schön anzuschauen, dieser neue gestaltete Dorfplatz, das rege Vereinsleben und die Dorfgemeinschaft aber wir sind ja fast abgeschnitten von der Außenwelt. Kein schnelles Internet und das was kommen soll, erinnert wohl ehr an einen provisorisch eingerichteten Militärstützpunkt in Aleppo, kein Mobilfunk-Netz keine öffentlichen Verkehrsmittel und nicht einmal ein ordentlicher Radweg auf dem man sicher in die Kreisstadt zum Einkaufen kommt.

Ja, wir wollen uns kümmern! Ja, wir wollen diese Menschen, wie in dem Zettel steht, betreuen und unterstützen, Sie im Ort integrieren aber wir sprechen hier nicht von alten Menschen die dreimal die Woche zum Arzt gefahren werden müssen, es sind junge Familien die sich eine Zukunft aufbauen wollen, eine Berufsausbildung, ein Studium, ein Home-Office all das wird schwierig in Prappach. Denn schon jetzt werde ich als Vater einer pubertierenden Tochter zwischen Tür knallen und schlechter Laune auch noch angemotzt warum wir auf so einem Kaff wohnen denn die drei Minuten lange Sprachnachricht kann schon wieder nicht verschickt werden, wenn nebenbei noch ein YouTube-Video läuft. Wenn ich 18 bin ziehe ich in eine große Stadt! Und aus dem Nebenzimmer ruft die neunjährige Tochter: Ich auch!

Wir Prappacher müssen uns die Frage stellen: Ist unser Dorf, knapp 3km von der Kreisstadt entfernt, überhaupt für Flüchtlinge geeignet? Erst kürzlich wurde vom Landratsamt der Status für Bischofsheim als „Nicht geeignet für die Aufnahme von Flüchtlingen“ gesetzt. Wie weit ist Prappach davon entfernt? Das mag wohl alles teilweise auch sarkastisch klingen, ist aber die Wahrheit mit der wir Prappacher uns seit Jahren, und wie die aktuelle Entwicklung zeigt, auch in Zukunft abfinden müssen.

Wir als Verein, Wir-in-Prappach, werden Unterstützen und möchten hiermit Zusage machen, dass wir uns, wenn Flüchtlinge in Prappach aufgenommen werden, um eine angemessene IT-Ausstattung für die neuen Dorfbewohner kümmern werden.

Jochen Hübschmann
1.Vorstand – Wir-in-Prappach e.V.